Projekt Xanadu

Veröffentlicht auf von Albaster

Wirklich interessant. Über diesen Podcast vom Retrozirkel bin ich auf dem oben genannten Projekt aufmerksam geworden. Im Podcast wird über das Textadventure The Hitchhiker's Guide to the Galaxy von Douglas Adams und Steve Meretzky erzählt. Ein Textadventure von Infocom? Selten ein Thema in der heutigen Spielemedienwelt und daher gleich im Rahmen meiner Podcast-ToDo-Liste von mir angehört. Nur kurz am Anfang wird das Projekt Xanadu erwähnt, ich zitiere einfach mal aus Wikipedia:

Xanadu ist ein 1960 begründetes Hypertext-Projekt von Ted Nelson; durch das nach dem legendären Ort Xanadu benannte Projekt sollte das Docuverse, eine universale Bibliothek mit zahllosen miteinander vernetzten Dokumenten, entstehen. Das Hypertext-Konzept von Xanadu ist vergleichsweise komplex; beispielsweise ist ein Transklusions-Mechanismus vorgesehen, mit dem Teile aus anderen Objekten nahtlos in ein Dokument eingebunden werden können.

Im Prinzip also ein früher Versuch, weit vor dem Internet Wissen und Informationen aus einer "digitalen" Bibliothek durch Hypertext über Computer zu vernetzen und verfügbar zu machen. Hypertext (Hyperlinks) kennen wir heute praktisch aus Worddokumente, Wikis oder auch aus den Rollenspielen der The Elder Scrolls (TES), indem Wörter einfach angeklickt werden können um weitere Infos zu erhalten. Ein Gedanke, der auf Adams anscheinend sehr verlockend wirkte - Stichwort Interaktives Storytelling. Letztendlich sollte Xanadu sogar schon Micropayment beinhalten, da natürlich viele potentielle Texte dem Copyright des jeweiligen Erstellers unterstehen. Eine damalige Zukunftsvision, wie sie heute im Internet weit verbreitet ist:

Darüber hinaus war in Xanadu auch immer ein Abrechnungsmodell vorgesehen, ähnlich den neueren Ansätzen des Micropayments.

Ted Nelson

Doch wer Xanadu richtig verstehen möchte, sollte sich mehr über den Philosophen und Soziologen Ted Nelson selbst informieren. Folgende Aussage von ihm

"HTML ist exakt was wir zu VERHINDERN versucht haben – ständig tote Links, Links die nur nach außen führen, Zitate, die man nicht zu ihren Ursprüngen zurückverfolgen kann, keine Versionsverwaltung, keine Rechteverwaltung."

ist sehr ehrgeizig, denn sein Xanadu sollte grundlegend einfach zu bedienen sein. In nur zehn Sekunden sollten Anfänger sich mit der Benutzeroberfläche zurecht finden können - 1965 wohlgemerkt. Folgende Punkte sollten Xanadu ausmachen:

Unkaputtbare Zwei-Wege-Verknüpfungen, Seite-an-Seite-Vergleich von Dokumenten, Nahtlos eingebetteten Zitaten und einem einfachen Copyright-System.

Ted Nelson prägte mit seiner Idee Xanadu den Begriff Hypertext und kann somit als Wegbereiter der auch von mir sehr gern und zahlreich gesetzten "Links" angesehen werden:

Der nicht-lineare Hypertext verknüpft verschiedene Informationen mit Hyperlinks, so dass ein logisches Netz entsteht, das tendenziell unendlich wird. Für journalistische Texte ist das eine nie dagewesene Chance: Hypertext kann die Menge notwendiger Informationen verkürzen,indem lexikalisches Wissen auf eine Metaebene - "hinter" den eigentlichen Text - verschoben wird. Gleichzeitig vervielfacht sich die optionale Informationsmenge des Textes, da die Rezipienten auch die Metaebene und deren weitere Verknüpfungen zu Kenntnis nehmen können.

 Bilderquelle

Durch enorme Komplexität konnte Projekt Xanadu jedoch niemals umgesetzt werden, auch wenn sogar noch zu Zeiten des Internets bis 1998 daran gearbeitet wurde. Ab 1999 wurde der Quellcode Udanax freigegeben. Auch wenn die Verwirklichung seiner Ideen scheiterte, so lieferte Nelson mit seiner Vision dennoch entscheidende Denkanstöße für die Entwicklung der heute existierenden Hypertext-Systeme bis hin zum heute bekannten Internet. Spannend ist die Fragestellung, wie Xanadu z.B. die damalige Spielewelt (Adventures) beeinflusst hätte, nicht besonders: So hätte ein Textadventure zwar ganz ohne Parser gespielt werden können, indem einfach nur Stichworte wie Handlungen, Ausgänge und Personen in den Texten angewählt werden müssten, so hätte man schon damals verschiedene Fragestellungen bei Gesprächen mit NPCs oder weiterführende Beschreibungen über Orte und Gegenstände auswählen können, und das vielleicht schon ein paar Jahre vor Enchanted Scepters. Denn im Prinzip funktionieren Point&Click-Adventures auch heute so und die Parsersteuerung hatte ja durchaus ihren ganz eigenen Charme. Aber insgesamt kann ich nicht abschätzen, was Xanadu - wenn überhaupt - für die damalige Spieleszene für Bedeutung gehabt hätte.

Douglas Adams

Was hat denn nun der früh verstorbene Douglas Adams damit zu tun? Nun, immerhin nur so viel, das er technische Neuerungen immer gerne bewundert hat. Xanadu wäre für die damalige Spielewelt sicher hoch interessant gewesen. Adams selbst erschuf die Community-Plattform h2g2, welche abgewandelt von seinem Anhalter (The Hitchhiker's Guide to the Galaxy = HHGG = 2h und 2g) ins Leben gerufen wurde. Das ist eine Webgemeinde, die sich eher philosophisch mit dem Leben, dem Universum und eben den ganzen Rest beschäftigt. Neben dem oben genannten Spiel von Infocom arbeitete er auch am Textadventure Bureaucracy und schuf das Buch "Die letzten ihrer Art" sowie einige Abenteuer zur BBC-Serie Doctor Who. Die größte Verbindung der beiden war jedoch die Dokumentation Hyperland von Adams:

Hyperland ist eine 50minütige Dokumentation über Hypertext und damit zusammenhängende Technologien, geschrieben von Douglas Noël Adams, 1990 produziert von der BBC.

Links und Lesetipps zum Thema

http://xanadu.com/XanaduSpace/btf.htm

http://www.netzthemen.de/sterz-wikipedia/3-2-2-wiki-projekt-xanadu

http://www.ltrebing.de/studium/hypertext/

http://collabor.idv.edu/0456092/stories/15864

http://www.heise.de/tp/artikel/28/28075/1.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Per_Anhalter_durch_die_Galaxis

Dokumentation Hyperland bei Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=1iAJPoc23-M&feature=youtu.be&t=441

Literatur: http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=20457

Veröffentlicht in Retrospektive, Wissen, Textadventure

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