Cinemaware & It came from the Desert

Veröffentlicht auf von Albaster

Mit der Softwareschmiede Cinemaware verbinde ich ein Stück weit auch meine Vergangenheit als Gamer. Nicht unbedingt weil ich viele Spiele dieser Firma gespielt hätte - das war tatsächlich nur mit It came from the Desert ausführlicher - sondern weil ich immer von deren Produkte aus diversen Games-Magazinen aus jener Zeit her begeistert gewesen bin und gehört deshalb auch zur "Hall of Fame", zusammen mit Microprose, Lucas Arts, Origin, SSI, Black Isle (bzw. Obsidian), Bioware und Infocom in meine persönliche Ruhmeshalle. Als Entwickler hat Cinemaware, 1986 von Phyllis und Bob Jacob gegründet, eine bewegte Vergangenheit hinter sich, wie so viele Firmen aus dieser Ära, nach mehreren Auflösungen bzw. Übernahmen meldete sich Cinemaware letztlich 2012 wieder: Am 22. Juli 2012 meldete sich Cinemaware mit einer veränderten Homepage und einem sogenannten Summer 2012 Trailer zurück.

Und so haben sie Defender of the Crown für Mobilgeräte entwickelt und ein (mäßiges) Remastered von Wings (welche per Kickstarter finanziert wurde) veröffentlicht, welches vielleicht sogar Startpunkt wäre, andere (nämlich die oben genannten) Klassiker wieder Neu aufzulegen:

Laut Cinemaware könnte Wings: Remastered Edition nur der Anfang dabei sein, die eigenen Spieleklassiker neu aufzulegen. In den 1980ern und -90er-Jahren zeichnete sich Cinemaware noch für bekannte Titel wie Defender of the Crown oder It Came from the Desert verantwortlich, für die sich das Studio offenbar auch Remakes vorstellen kann.

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Neben weiteren Mobil-Umsetzungen wurde jetzt eine Sammleredition vom genannten Defenders of the Crown vorgestellt, Defender of the Crown im Extended Collectors Cut und soll noch im Dezember erscheinen. Diese beinhaltet einige Zusätze wie verschiedene Versionen, Poster und ist auf 500 Stück begrenzt. Grundsätzlich finde ich es toll, dass so eine Boxenversion erscheint, würde sie mir jedoch als Remake technisch und vom Gameplay her angepasst wünschen, ähnlich wie es bei Wings Remasterd geschehen ist. Diese Extended Collectors sollen weiter ausgebaut werden, so steht mit Rocket Ranger das nächste Projekt für Februar 2016 an. Cinemaware lebt also wieder mit ihrem Slogan "Retro" auf.

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Hier gehts zum Launchtrailer zu Wings Remastered. Vermutlich war es der getroffene Pilot mit Blutspritzer, der dafür gesorgt hat, dass Wings seinerzeit auf dem Amiga indiziert (noch von BPjS) wurde: Wings, indiziert am 29.06.1991, gestrichen auf Antrag am 30.11.2004.

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TV Sports Basketball setzte 1990 die grafische Messlatte - nicht nur bei Sportspiele - weit nach oben. Atemberaubende Squenzen, mit allerdings sehr langen Ladezeiten (die man damals allerdings auch gewohnt gewesen war). Mit klick auf der Quellenangabe kommt ihr zu einem entsprechenden Video.

Rocket Ranger

Die Geschichte zum Spiel klingt nach feinster "B-Movie"-Manier:

Das Jahr 1940, so wie man es nicht aus den Geschichtsbüchern kennt: Die Nazis sind unerklärlicherweise auf den Mond gelangt und bauen dort die geheimnisvolle Substanz Lunarium ab. Damit produzieren sie Bomben, die ganze Völker in willenlose Zombies verwandeln können, und nutzen es als Treibstoff für unangreifbar hoch fliegende Luftschiffe, mit denen sie eine Schlacht nach der anderen gewinnen.

Das Jahr 2040, so wie es wohl nie in den Geschichtsbüchern stehen wird: Die Nazis haben mittlerweile die ganze Welt unter Kontrolle. Nichtsdestotrotz gelingt es einer Gruppe rebellischer Wissenschaftler in Fort Dix, New Jersey, per Zeitmaschine einen Raketenrucksack, etwas Lunarium und eine Radiumpistole an einen ihrer Kollegen im Jahre 1940 zurückzusenden, zusammen mit der Bitte, mittels dieser Gerätschaften die braunen Horden an der Eroberung der Erde zu hindern, solange noch eine kleine Chance dazu besteht...

Wohl als eines der ersten Spiele hat Cinemaware/ Mirrorsoft 1988 das Spiel für den deutschen Markt anpassen lassen. Aus den Nazis sind also Aliens geworden und dementsprechend verlor das Spiel an Authentizität. Rocket Ranger selbst wurde von Rocketeer inspiriert, dazu kam dann auch eine Comicserie zum Spiel heraus. Von den ursprünglich sech geplanten Ausgaben wurden allerdings nur fünf veröffentlicht. 2014 erfolgte mit Rocket Ranger Reloaded eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne.

It came from the Desert

Und so bleibt zu hoffen, dass das mir so bedeutsame It came from the Desert nicht nur als Collectors Cut, sondern vor allem als Remastered-Version wieder bringen. Am liebsten wäre mir jedoch eine komplett neue Handlung bzw. entsprechend umgeschriebene Geschichte. Ich halte das Setting um die "Riesenameisen" für sehr ansprechend, um ein spannedes und interessantes, modernes Spiel daraus zu Formen. Denn It came from the Desert spielt sich auch wie eine Ansammlung von verschiedenen Minispielen, wie ein Kommentator auf Steam schrieb, was halt ein eher veraltetes Gameplay ist:

Allerdings muß ich zugeben, daß die Cinemaware Spiele (von Wings und den TV Sports Titeln mal abgesehen) doch spielerisch sehr limitiert sind. Was früher auf dem Amiga aufgrund der exzellenten Grafik und filmreifen Präsentation für Staunen sorgte, kann heutzutage nicht mehr über das maue Gameplay (eine Ansammlung sich wiederholender Mini-Spielchen) hinweg trösten.

2014, also 25 Jahre nach dem Urspiel, erschien das Spiel sogar noch für das Sega Mega Drive (16 Bit-Konsole) und wartet sogar mit einigen Extras auf:

1989 erschien der Scifi-Action-Klassiker für den Amiga, der damals geplante "Extended Cut" schaffte es allerdings nie zur Veröffentlichung auf der Zielplattform Sega Mega Drive. 25 Jahre wird das Projekt nun doch für Segas Kultkonsole umgesetzt. Dieser "Extended Cut" inkludiert neue Zwischensequenzen, neue Enden, eine neue Intro-Sequenz sowie zusätzliche Gameplay-Elemente.

So in etwa könnte ich mir es im Ansatz als Remastered für den PC vorstellen. It came from the Desert erwarb ich übrigens über die Cinemaware Anthrology, die alle wichtigen und bekannten Spiele von 1986-91 enthält: It came from the Desert (1989) sowie dessen Nachfolger oder besser Addon (Missions-Disk) Antheads (1990) natürlich Defender of the Crown (1986), dem Spiel mit dem sie bekannt geworden sind, King of Chicago (1986), Rocket Ranger (1988), Wings (1990) und der TV Sports-Reihe. Früher war es so üblich, das jeder Entwickler alle Genres bedient hat. Also nicht so wie heute, wo z.B. Bioware sich auf Rollenspiele spezialisiert hat.

It came from the DesertIt came from the Desert
It came from the Desert

It came from the Desert

Wer It came from the Desert (Es kam aus der Wüste) nicht kennt, hier eine kurze Zusammenfassung: Der Spieler übernimmt die Figur von Dr. Greg Bradley, einem Biologen der im Jahr 1951 in Lizard Breath (Nevada) einige seltsame Spuren nachgehen muss. Denn irgendetwas stimmt mit diesem Ort nicht, Menschen verschwinden und einige Dorfbevölkerung benehmen sich spürbar seltsam. Dabei bekommt er raus, das sich hier die heimischen Ameisen seit einem Aufschlag eines verstrahlten Meteor stark in ihrer Größe und Aggressivität verändert haben. Dabei hat der Spieler nur eine bestimmte Zeit zur Verfügung um die Bevölkerung und letztendlich die Verantwortlichen davon zu überzeugen, die Nationlgarde zu informieren. Das Spiel mischt mehrere Genreformen wie Adventure, Strategie und Action zusammen und zieht damit ein an Filmen erinnerndes Gameplay mitsamt passender Atmosphäre auf. Deshalb orientiert sich It came from the Desert stark an den so genannten "B-Movies" wie Tarantula von Jack Arnold und vor allem Formicula aus den 1960er-Jahren. Nun soll das Spiel sogar verfilmt werden. Der Film ist für 2016 geplant:

Die für 2016 angekündigte Verfilmung des gleichnamigen Videospiels aus den 1980er Jahren. Die Wüste von New Mexico ist Schauplatz für einen Angriff der Riesen-Ameisen. Die Story basiert auf dem Spiel, setzt aber einige Jahrzehnte später ein und bringt auch neue Charaktere mit.

Hier kann dann auch der Trailer angeschaut werden, der mich allerdings nicht so wirklich überzeugt und etwas albern wirkt. Na da bin ich trotzdem mal gespannt und was wir in Zukunft noch alles von Cinemaware hören werden...

Film Formicula (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=H99slf18Wxo)

Veröffentlicht in Retrospektive, 1980er, Ruhmeshalle, Amiga, 1990er

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Albaster 11/20/2015 23:35

Neben den Western denke ich auch an Hitchcock und vor allem, du wirst jetzt vermutlich schmunzeln, an Edgar Wallace. Ich mochte diese Filme sehr gerne. Wir befinden uns immer noch in der S/W-Ära. Irgendwie fand ich die junge Karin Dor immer klasse, ebenso wie Audrey Hepburn (Charade).

Den Artikel hier habe ich übrigens noch ein wenig erweitert/ angepasst. Habe die beiden ehemaligen GS-Redakteure von Stay Forever (hast du mittlerweile einen Podcast von denen gehört?) mal direkt per Mail angeschrieben, ob sie vorhaben, auch über Cinemaware/ It came from the Desert einen Cast zu machen. Ich finde die machen das mit ihren Retrorückblicken ganz gut.

Meinst du dieses Buch? http://www.amazon.de/Western-Geschichte-Mythologie-Grundlagen-popul%C3%A4ren/dp/3499172909

Albaster 11/18/2015 13:10

"B-Movie bitte, denn Trashfilme waren das weitenteils keine."

Ja, damit hast du wohl recht. Wobei ich Trash jetzt nicht mit schlecht oder billig verbinden würde, auch wenn dieses Wort als Begriff eindeutig ist. Ich denke an Trash auch an absurde oder surreale Handlungen, wie sie eben auch in den hier genannten Filmen erwähnt werden. Aber "B-Movie" ist und bleibt der passendere Begriff.

Bei S/W muss ich auch immer an Westernfilme denken. Oder "Die letzte Vorstellung", war auch so ein Film, der (glaube ich) in S/W gedreht wurde, er ist aus 1971. Also durchaus eine Zeit, in der Farbe normal war. Ich mochte Ben Johnson sehr.

Joss 11/20/2015 10:58

Ich bin übrigens ein großer Fan des Western. Georg Seeßlen hat ein wundervolles Buch zum Thema geschrieben. Das Thema der umkämpften Grenzen (Außen und Innen) hat mich immer schon fasziniert. Aber auch die Landschaften und der (durch die Wildnis bedrohte) Mensch darin. Mit den Frontiers teile ich das Misstrauen oder zumindest die Skepsis gegenüber Menschen und ein respektträchtiges Vertrauen in das Land. Wenn ich noch mal zu Geld kommen sollte, würde ich mir so ziemlich nichts davon kaufen außer Land: "Denn nur das Land ist ewig, sonst nichts."

Joss 11/17/2015 20:05

Die Grafik von "It came from desert" war schon und ist im Rückblick noch sehr beeindruckend. Ans Spielen selbst habe ich nur noch getrübte Erinnerungen. Aber als Liebhaber der Jack Arnold Filme, die meine Filmerfahrung in der Jugend sehr geprägt haben, mehr als Star Wars oder Indiana Jones, habe ich das Spiel als eine Art Mix aus "Tarantula" und "It came from outer space" begeistert aufgenommen. Ich kann mich wohl auch darum nie so ganz in die Akte X Begeisterung vieler Gleichaltriger hineinfinden, weil diese Filme von Arnold mit ihrer Art von Suspense mich schon so eingenommen und geprägt hatten. Da könnten wir uns mal einen schönen Filmabend machen.

Joss 11/18/2015 12:11

"Überhaupt mochte/ mag ich diese Art "Trashfilm" (B-Movie) sehr gerne"

B-Movie bitte, denn Trashfilme waren das weitenteils keine. Das "B" in B-Movie macht aufmerksam auf Budgetbegenzungen und andere (schnellere) Produktionsstrukturen. Das sieht man vielen dieser Filme dabei nicht an. Auf der anderen Seite brachte die Konzentration auf den emotionalen Effekt auch viele Freiheiten, die in den Big Breakern nie möglich gewesen wären. Nicht umsonst entstand dieses Genre des Monster-Movie und der Film Noir im Rahmen der B-Movies. Und das schuf dann eine eigene Hausmarke, die von der Klasse her noch lange Maßstäbe setzte. Viele dieser Filme werden nicht umsonst nicht allein von Fans, sondern auch von Regisseuren und Kritikern verehrt.

Ich kenne sie so ziemlich alle, erinnere mich aber nicht immer unter ihren Titeln daran. So auch in diesem Fall. Erst wenn ich die Filme heute wieder sehe (bei Amazon-Verfügbarkeit) kommen mir dann die Erinnerungen. Und ja, das S/W schuf etwas Besonderes, wobei ich noch in einer Zeit groß wurde, wo die meisten amerikanischen und französischen Filme im TV in S/W waren. Das hat mich sehr geprägt und ich habe für die Zwischentöne ein gutes Auge entwickelt. Auch etwas was mich von der Generation danach trennt. Noch heute sehe ich nicht den geringsten Verlust in S/W-Filmen, die nur noch sehr selten produziert werden. "The Artist" letzt, Woody Allen drehte einige in S/W.

Albaster 11/17/2015 22:42

Ich habe Formicula sehr oft und gerne angeschaut, weil mich der Film sehr fasziniert hat, das kommt in meinen Artikel hier gar nicht so sehr heraus. Überhaupt mochte/ mag ich diese Art "Trashfilm" (B-Movie) sehr gerne, kennst du z.B. "Panik im Jahre Null"?
https://de.wikipedia.org/wiki/Panik_im_Jahre_Null

Allein das es SW-Streifen waren, hatte eine gewisse "unheilvolle" Atmosphäre. Noch lieber als zu einem Filmabend würde ich dich aber in eine Kneipe treffen, einer realen versteht sich mit ein, zwei echten Bierchen...

Passend zum Beitrag habe ich hier noch ein Podcast über Cinemaware gefunden, gibt ein paar nette Dinge zu hören, besonders zu Rocket Ranger:
http://telespiel-late-night.de/?p=75