Quo Vadis, Adventure?

Veröffentlicht auf von Albaster

Wie steht es um das Genre der Adventures? Sind sie noch zeitgemäß oder einfach nur altbacken? Gibt es hochwertige Geschichten und wie sollten diese umgesetzt werden? Wie kann man die verschiedenen Subgenres unter einem Hut bekommen und ist das überhaupt sinnvoll...

...diese und viele andere Fragen können hier diskutiert werden mit Versuch zur Klärung, Austausch von Gedanken und zusätzlich könnte dieser Artikel als Ideenhalde fungieren. Wer gerne über ein bestimmtes Adventure sprechen möchte, entsprechende Adventureperlen kennt und empfehlen möchte oder einfach nur über Adventures quatschen will, kann dies hier sehr gerne tun.

Quo Vadis, Adventure?

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Poly 08/08/2016 00:34

Schön, dass du den Blog doch noch nicht aufgegeben hast :)

Albaster 08/08/2016 21:01

Hallo Poly,

ja ich möchte hier wieder gerne mehr schreiben, aber wie das so ist, will man immer vieles... :-) aber ich habe genügend Ideen/ Spiele dafür. Zuletzt habe ich im Adventure Corner sehr viel kommentiert und geschrieben dazu 2 Playthroughs gespielt, da ging einiges an Zeit drauf.

Nomadenseele 07/22/2016 19:42

Nachtrag:

Wenn ich nun andersweitig geistig gefordert wäre, würde ich wohl auch gnädiger reagieren. Es liegt mir fern, die Spieler zu verurteilen, die ihren Spaß daran haben. Aber so brauche ich einen Ausgleich und den können sher wenige Spiele mir geben,

Nomadenseele 07/21/2016 10:08

* Einmal die Depressionen und Ängste der Protagonistin, dann die Hintergründe des Parks, die zugegebenfiktiv und am MMO TSW gekoppelt ist*

Ich habe das Spiel noch nicht gespielt, aber wahrscheinlich könnte dir Fran Bow gefallen. Es beschäftigt sich mit den psychischen Problemen (der Erschafferin) und hat Begeisterungsstürme ausgelöst.

Ein anderes Spiel, welches mich begeisterte, war The Lost Crown. Es hat in mir den Wunsch ausgelöst, mich mit der sagenumwobenen Geschichte East Anglias und dem Volk der Pikten auseinanderzusetzen. Leider sind die relevanten Bücher durch den Pfundkurs alle recht teuer. Ich habe das Spiel zuletzt im Dezember gespielt und verspüre den Wunsch noch immer.

Zu Jack The Ripper:
Die genaue zeitliche Abfolge weiß ich nicht mehr, ob es der erste Teil von Whitechapel war oder das Spiel, wleches mein Interesse einleitete. Auf jeden Fall hat das Spiel mich sehr faziniert und das Ganze entweder ausgelöst oder angeheizt.

Das waren nun ein paar Gedanken aus einem übermüdeten Hirn :-) .

Nomadenseele 07/22/2016 19:33

Ich vergleiche Spiele natürlich deswegen mit Büchern oder anspruchsvolleren Filmen, weil dies die Erzählformen sind, die für mich der Standard sind.

Dass meine Ansprüche in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind, ist für das Hobby *Computerspiele* zwangsläufig auch nicht hilfreich. Insofern kann man natürlich die Frage stellen, ob die Spiele das Problem sind oder ich. Aber ich habe so wenig Zeit für Unterhaltung, dass ich wenig Lust verspüre, mich mit Geschichten zu beschäftigen, welche mich nicht mitreißen oder zumindest etwas Besonderes haben. Meinetwegen Spannung, aber die meisten Spiele haben ja nicht einmal das.

Fakt ist, dass die meisten meinen Anspruch nicht mehr bedienen können. Sie regen mich zu wenig zum Nachdenken jenseits des Rätsellösens an, es gibt nur wenige die in mir die Neugierde auf andere Themen wecken.

Alles sehr speziell ich, aber eben meine Probleme mit den Spielen.

Albaster 07/22/2016 19:13

"ch habe mit Erzählungen in Computerspielen ein Problem: ich komme eigentlich aus dem Buchbereich, lese sehr viel und bin deswegen auch einen deutlich höheren Standard an Erzähltechnik gewohnt als sie Spiele bieten. Ich behaupte, selbst ein durchschnittlicher Krimi bietet mehr Erzählqualität als ein Adventure. Und dann sind Entäuschungen im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert."

Naja das ist leider kein Geheimnis mehr, ich vergleiche die Autorenqualität von Spielen lieber weniger mit Büchern, nur wenige "gute" Schriftsteller finden sich hier, Jane Jensen ist vermutlich noch eine der besseren, wobei ihre Romane lange nicht in der ersten Liga zu finden sind, schriftstellerisch halt. Muss aber auch gar nicht sein, denn der Vergleich Roman - Spiel hinkt in meinen Augen auch etwas, da der "Leser" im Spiel immer aus dem Flow gerissen wird, durch Unterbrechungen, sei es nun ein Rätsel oder Dialoge mit Auswahlsätze. Da haben Spiele mit ihrer "Interaktivität" halt ihre Nachteile.

Anscheinend bieten Spiele die beste Story, wenn möglichst wenig Gameplay vorhanden ist. Tatsächlich ist das Spielerlebnis von The Walking Dead schon recht gelungen für ein Spiel. Mit deiner Aussage hast du ansonsten recht und Positivbeispiele werden allerdings nur mit wenigen Ausnahmen erreicht werden, leider. Die Spielermasse sucht diesen Anspruch vermutlich auch gar nicht und so bleiben Spiele wie das MMO The Secret World Ausnahmen, die sich "richtige" Autoren leisten wollen, aber dieser Mehraufwand macht sich bezahlt.

Vielleicht werden wir in Zukunft mehr hochwertige Autorenarbeit in Spielen sehen, noch aber sehen sie sich selbst zu eingeschränkt in ihrem Wirkungsbereich bei Spielen. Ich bleibe bei meiner Meinung, dass sich beides nicht ausschließt, dann aber müssten Spieler wieder mehr bereit sein zu lesen, ansonsten müsste man Spiele ja eher mit dem Medium des Films vergleichen, aber da wird sich eher dem "epischen" Blockbuster bedient, nicht dem Film mit einem gewissen intelligenten Anspruch.

Nomadenseele 07/22/2016 09:23

*Das Spiel steht auch noch relativ weit oben auf meiner Playlist, ich habe schon so viel gutes und interessantes darüber gehört. Wie ist denn der Stand zum Nachfolger "The Last Crown" war das? Freust du dich schon drauf?*

Für mich ist es eines der besten Spiele überhaupt. Gerade auch, weil die Mythen East Anglias (bis zur Invasion der Normanen) und die Symbole der Pikten (welche keine größere Rolle spielen) so unaufgeregt eingeflochten werden.

Der Treff hatte einmal einen Playthrough ( http://www.adventure-treff.de/forum/viewtopic.php?f=1&t=18235 ), die erste Seite alleine ist schon recht informativ.

Ich freue mich schon sehr auf die Nachfolger, habe aber starke Zweifel, dass sie kommen. Eigentlich sollte die Veröffentlichung im Januar sein und passiert ist nichts.

*Richtig spannend ist der Mordfall Hinterkaifeck
http://www.hinterkaifeck.net/
(anderes Thema jetzt), auch hier wie beim Ripper tauschen, rätseln und diskutieren die Menschen noch sehr aktiv in den Foren über Motive und Tathergänge zu einem Fall in Bayern, der bald 100 Jahre her ist. Seltsam das dazu noch kein Adventure gemacht wurde?*

Da habe ich noch irgendwo hier die Mordakte rumliegen. Also natürlich nicht das Original, sondern als Buch. So seltsam ist das nicht, in anderen Ländern kennt niemand den Fall und in Deutschland gibt es nicht so viele Spielefirmen.

*Auch Mystery of Oak Island interessiert mich sehr,
http://www.oakisland.de/
http://www.travelbook.de/welt/Das-Geheimnis-von-Oak-Island-Liegt-auf-dieser-Insel-ein-Schatz-begraben-603866.html
ist aktuell in Entwicklung und handelt von einem spannenden Mythos um eine kanadische Insel. Das sind zumindest Ansätze und reale Mythen, die mich ziemlich fesseln würden. das großer *

Ich habe es persönlich sehr gerne, wenn Themen mich überraschen, Sei es Jack the Ripper (Holmes / Whitechapel), die Pikten und East Anglia (The Lost Crown) oder Vampire / Dracula (das Buch *Der Historiker*).

Für mich ist es ein Teil der Lebensqualität, mich überraschen zu lassen, und mich dann über Monate in ein Thema einzugraben.

*Können solche Spiele auch inhaltlich und spielerisch überzeugen und ihr Potenzial mit Erzählkunst ausschöpfen? Da sehe ich wie du auch einige Probleme, noch dazu wenn das Gameplay recht altbacken daher kommt/ kommen könnte, da muss dann halt der Rest passen..*

Ich habe mit Erzählungen in Computerspielen ein Problem: ich komme eigentlich aus dem Buchbereich, lese sehr viel und bin deswegen auch einen deutlich höheren Standard an Erzähltechnik gewohnt als sie Spiele bieten. Ich behaupte, selbst ein durchschnittlicher Krimi bietet mehr Erzählqualität als ein Adventure. Und dann sind Entäuschungen im wahrsten Sinne des Wortes vorprogrammiert.

In einem Buch würde es der Lektor kaum durchgehen lassen, wenn Kathy Rain deprimiert ist, weil sie ihrem Großvater falsch eingeschätzt hat (Lagerraum) und zwei Minuten später wieder fröhlich durch die Gegend saust. Dasselbe wurde auch bei *Haunted* von deck 13 krititsiert, welches wohl so eine Szene hat.

Ich weiß nicht, wie ein Spiel entwickelt wird, das wird auch von der Firma abhängen, aber mein Eindruck ist, dass da niemand ist, der sowas wie ein Lektor gegencheckt.

Albaster 07/21/2016 23:34

"Ich habe das Spiel noch nicht gespielt, aber wahrscheinlich könnte dir Fran Bow gefallen. Es beschäftigt sich mit den psychischen Problemen (der Erschafferin) und hat Begeisterungsstürme ausgelöst."

The Park ist auch nicht für jeden geeignet, TSW-Spieler werden da mehr Spaß mit haben, denke ich. Ja Fran Bow, oder auch Spiele wie Cat Lady oder auch The Town of Light
http://store.steampowered.com/app/433100/
könnten dahingehend interessant sein. Mir ist es aber glaube lieber, wenn Thematiken wie Ängste oder Depressionen als Nebenhandlung erzählt werden, das hätte Kathy Rain auch besser getan.

"Ein anderes Spiel, welches mich begeisterte, war The Lost Crown. Es hat in mir den Wunsch ausgelöst, mich mit der sagenumwobenen Geschichte East Anglias und dem Volk der Pikten auseinanderzusetzen."

Das Spiel steht auch noch relativ weit oben auf meiner Playlist, ich habe schon so viel gutes und interessantes darüber gehört. Wie ist denn der Stand zum Nachfolger "The Last Crown" war das? Freust du dich schon drauf?

Pikten, mhh die sagen mir was, interessantes Völkchen oben im Norden Britanniens. Sozusagen auch die Vorfahren der Schotten, oder?

"Zu Jack The Ripper"

Vielleicht ist es so faszinierend, weil es auf ein reales Verbrechen beruht und deshalb so fesselt oder nachvollziehbar wirkt? Einige Fälle in LA Noire sind ja auch von der Wirklichkeit inspiriert, z.B. von Black Dahlia. Richtig spannend ist der Mordfall Hinterkaifeck
http://www.hinterkaifeck.net/
(anderes Thema jetzt), auch hier wie beim Ripper tauschen, rätseln und diskutieren die Menschen noch sehr aktiv in den Foren über Motive und Tathergänge zu einem Fall in Bayern, der bald 100 Jahre her ist. Seltsam das dazu noch kein Adventure gemacht wurde?

Auch Mystery of Oak Island interessiert mich sehr,
http://www.oakisland.de/
http://www.travelbook.de/welt/Das-Geheimnis-von-Oak-Island-Liegt-auf-dieser-Insel-ein-Schatz-begraben-603866.html
ist aktuell in Entwicklung und handelt von einem spannenden Mythos um eine kanadische Insel. Das sind zumindest Ansätze und reale Mythen, die mich ziemlich fesseln würden. das großer ABER: Können solche Spiele auch inhaltlich und spielerisch überzeugen und ihr Potenzial mit Erzählkunst ausschöpfen? Da sehe ich wie du auch einige Probleme, noch dazu wenn das Gameplay recht altbacken daher kommt/ kommen könnte, da muss dann halt der Rest passen...

Nomadenseele 07/20/2016 23:17

Mein Problem mit Computerspielen generell ist inzwischen, dass die wenigsten Spiele gute Geschichten erzählen. Keine, welche mich mitreißen, die mich dazu bringen, außerhalb des Spiels etwas zu erkunden (Die einzige Ausnahme war bis jetzt Sherlock Holmes vs. Jack the Ripper, welches eine Jack-the Ripper-Phase bei mir einleitete.); die mich emotional mitnehmen und mich nachdenklich machen.

Jemand schrieb einmal, die Geschichten von Adventures wären eher im BasteiLübbe-Niveau anzusiedeln. Womit man dem Verlag Unrecht tut, denn ein großer Teil der geschichten liegt deutlich darunter.

Poly 08/08/2016 00:34

Bei mir war es zuletzt auch der Ripper, der mich während und nach einem Spiel (das Adventure The Slaughter Act 1) zu weiteren Recherchen verleiten konnte. Davor war es Residue, das am ausgetrockneten Aralsee spielt und mich mit seiner Mischung aus Fiktion und Fakten neugierig machte.

Albaster 07/21/2016 00:01

Danke für deine kurzen Einsichten, ich kann da nur zustimmen, diese Dinge würden mich auch interessieren. Bei The Park
http://albasterspielt.over-blog.com/2015/11/the-park.html
ist das durchaus gelungen. Einmal die Depressionen und Ängste der Protagonistin, dann die Hintergründe des Parks, die zugegebenfiktiv und am MMO TSW gekoppelt ist.

Ich werde mal in mich gehen und über Adventures nachdenken, die ähnliches bieten, ggf. diesen Beitrag ergänzen.

Ja, bis morgen.

Nomadenseele 07/20/2016 23:54

Das Thema muss mich überraschen, wer interessiert sich z.B. für die genauen Umstände von Jack the Ripper? Immerhin hat das Spiel mich dazu gebracht, mich im deutschen JtR-Forum anzumelden. Und dann noch während des Spielens zu staunen, wie korrekt verschiedene Theorien und Ereignisse miteinander verflochten wurden.

Oder es muss interessante zwischenmenschliche Fragen aufwerfen, über die man wie bei einem guten Buch / Film nachdenken kann. Das kenne ich aus keinem Spiel.

Was mich immer interessiert sind geschichtliche Dinge, Mythen ebenfalls, aber bitte nicht so oberflächlich wie in Baphomets Fluch 1. Es war zwar ein nettes Spiel, aber unter diesenspeziellen Aspekt ein Rohrkrepierer.

Die Inzenierung muss natürlich auch stimmen. Wenn Kathy Rain sich in den Lagerräumen ein paar Tränchen verdrückt, gerührt ist über ihren Großvater und dann einfach weitermacht wie gehabt, dann hakt die Geschichte gewaltig.

Nur mal so kurz in den Raum geworfen, mir flimmert es vor Augen. Bis morgen.

Albaster 07/20/2016 23:27

Das mit den Geschichten spiegelt sich ja irgendwie in allen Genres wider, wobei ich bei Adventures immer an ein "spielbares Buch" denken muss. Unabhängig vom Begriff "Gute Geschichte" bin ich bei dir, wenn es um eine Vertiefung von durch Spielen erlangtes Wissen und Infos geht. Das ist für mich immer ein Mehrwert, spontan würde mir da natürlich GK3 einfallen.

Das Erlebnis hatte ich hingegen im MMO The Secret World echt oft, mich Outgame weiter über Thematiken zu informieren. Grundsätzlich kommen ja alle Spiele in Frage, die ein entsprechendes realbezogenes Setting aufweisen können, nur müssen diese Adventures einen auf "abholen" können.

Was meinst du, Noma, sollte eine Geschichte bieten, um interessant zu wirken und wo zusätzliche Recherche mit der Thematik zusätzlichen Spaß machen würde? Oder anders formuliert, wleche Themen würden dich in einem Adventure interessieren?